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Inkontinenz | Therapie

Diagnose

Um die Ursache Ihrer Harninkontinenz abzuklären, sollten Sie einen Beratungstermin bei dem Arzt Ihres Vertrauens vereinbaren. Auch in Ihrem regionalen Sanitätshaus mit dem lächelnden Gesicht finden Sie diskrete Hilfe und weitere Informationen. Um eine genaue Diagnose stellen zu können, werden Ihnen einige Fragen zu Ihrer persönlichen Lebenssituation gestellt:

• Seit wann besteht das Problem?

• Wann geht der Urin ab?

• Wie viel Urin verlieren Sie?

• Wie ist Ihr Trinkverhalten?

• Wie häufig müssen Sie zur Toilette?


Bereits vor dem Termin sollten Sie über mehrere Tage ein Protokoll führen. Darin tragen Sie Informationen zur aufgenommenen Trinkmenge sowie zur abgegebenen Harnmenge ein. Diese Angaben helfen dem Arzt dabei, die Ursache sowie den Grad Ihrer Blasenschwäche zu ermitteln.
 

Auch auf das Gespräch mit Ihrem Arzt oder einem Spezialisten aus dem Sanitätshaus bei einer Stuhlinkontinenz sollten Sie sich vorbereiten:

  • Hatten Sie eine Operation oder einen Unfall?

  • Haben Sie häufig Stuhlentleerungsstörungen?

  • Haben Sie Stuhlschmieren?
     

Die Basis jeglicher Diagnostik ist nämlich die Anamnese. Danach muss Arzt als einfachste, aber sehr wichtige Untersuchung Ihren Enddarm austasten. So kann er die Schließmuskelkraft sowie Beckenboden oder Aussackungen des Enddarmes beurteilen. Diese Untersuchung ist in jeder Praxis durchzuführen.

Unterschiedliche Versorgungsarten

Wenn Sie von Inkontinenz betroffen sind, stehen Ihnen für die Versorgung zwei unterschiedliche Arten von Medizinprodukten zur Verfügung: aufsaugende und ableitende Hilfsmittel. Welche Mittel letztendlich zum Einsatz kommen, hängt ab von der Form/Art der Inkontinenz sowie der Schwere.

Aufsaugende Hilfsmittel dienen zur Absorption von Urin und Stuhl und werden in körperfern und körpernah klassifiziert. Ableitende Hilfsmittel leiten die Körperausscheidung Urin bzw. dünnflüssigen/breiigen Stuhl direkt oder über Verbindungsschläuche in entsprechende Auffangbehälter ab.

Aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel

  • Anatomisch geformte Inkontinenzeinlagen werden in die Unterwäsche eingelegt.
     
  • Anatomisch geformte Inkontinenzvorlagen werden durch eine Netzhose fixiert.
     
  • Bei Inkontinenzslips werden Vorder- und Hinterseite durch wiederverschließbare Haft- oder Klettstreifen miteinander verbunden.
     
  • Inkontinenzhosen werden als Einmalunterwäsche getragen und nehmen die Ausscheidungen auf.

Alle vier aufsaugenden Inkontinenzhilfsmittel sind ähnlich aufgebaut: Sie besitzen eine flüssigkeitsundurchlässige Außenschicht aus Polyethylenfolie, die wiederum eine Saugmatte umhüllt. Diese aus langfaseriger Zellulose bestehende Saugmatte hat die Aufgabe, die Flüssigkeit rasch an den Saugkern weiterzuleiten. Dieser ist das zentrale Element des Hilfsmittels und besteht aus einem Gemisch aus Zellstoff sowie einem speziellen Flüssigkeitsbinder, dem Superabsorber. Er kann das Fünfzigfache seines eigenen Volumens an Flüssigkeit binden und gibt sie auch bei Druck nicht wieder ab. Bei Inkontinenzslips oder -hosen verhindern elastische Bündchen an Bein- und Hüftabschluss das Auslaufen des Produkts. Darüber hinaus kann der Superabsorber den Zerfall des Harnstoffs stoppen, der durch Bakterien in Ammoniak und Kohlenstoffdioxid zerlegt wird. So wird zum einen die Geruchsbildung unterdrückt, zum anderen der Säureschutzmantel der Haut geschützt, wodurch Hautirritationen oder -erkrankungen verhindert werden können.

  • Neben den eng am Körper anliegenden Hilfsmitteln gibt es noch Bettschutzeinlagen, die Matratze und Bettwäsche vor Verschmutzungen schützen.
     
  • Auch zur Versorgung von Stuhlinkontinenz werden aufsaugende Produkte verwendet. Weiterhin kommen Hilfsmittel zur analen Irrigation (ein Komplettsystem für Ihre regelmäßige Darmspülung) oder Analtampons zum Einsatz. Diese bestehen aus weichem, hautverträglichem Schaumstoff, der von einer wasserlöslichen Schutzfolie umgeben ist. Diese Folie komprimiert den Schaumstoff auf ein sehr geringes Maß, sodass Sie den Analtampon in Kombination mit dem beiliegenden Gleitgel einfach und angenehm einführen können. Die Schutzfolie löst sich nach dem Einführen rückstandslos auf.

Ableitende Inkontinenzhilfsmittel

  • Zur dauerhaften oder bedarfsweisen Urinableitung stehen spezielle Kondomurinale in mehreren Varianten zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein Hilfsmittel für den Mann in Form eines Kondoms, das selbsthaftend am Glied befestigt und anschließend an einen Ableitungsschlauch angeschlossen wird. Ein Kondomurinal wird in der Regel alle 24 Stunden gewechselt. Darin wird jeder Tropfen sicher aufgefangen und über den angeschlossenen Schlauch in den Beinbeutel abgeleitet.
     
  • Bei bestimmten Formen der Harninkontinenz muss der Harn mithilfe eines Katheters abgeleitet werden. Dabei wird ein dünner Schlauch in die Harnblase eingeführt. Für die ständige Ableitung wird ein Verweilkatheter verwendet. Dieser wird entweder durch die Harnröhre (transurethral) oder durch die Bauchdecke oberhalb des Schambeins (suprapubisch) in die Blase eingeführt und kann über längere Zeit liegen bleiben. Problematisch bei der Versorgung mit Verweilkathetern ist, dass die Gefahr von Infektionen der Blase relativ hoch ist, insbesondere beim transurethralen Blasenkatheter. Außerdem müssen strenge Hygienevorschriften beachtet werden. Diese Katheter können zu einer zunehmenden Aktivierung des Blasenmuskels führen. Die Folge davon sind Harnverlust entlang des Katheters und Einschränkung des Blasenvolumens.
     
  • Eine weitere Form der Harnableitung ist der intermittierende Selbstkatheterismus(ISK). Diese Form der Blasenentleerung kann nach Indikationsstellung durch den Arzt und Anleitung durch eine Fachkraft vom Betroffenen selbst erlernt oder von einer betreuenden Person durchgeführt werden (intermittierender Fremdkatheterismus, IFK). Dabei entleert der Betroffene seine Blase mehrmals täglich, circa vier- bis achtmal, mithilfe eines Einmalkatheters.