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12 besondere Heilpflanzen, die bei Harninkontinenz helfen

 Alle hier aufgeführten Heilpflanzen und Heilmittel sollen helfend und unterstützend bei Blaseninkontinenz wirken. Eine vorherige Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker, insbesondere bei der Einnahme von Medikamenten, ist in jedem Fall vorher angeraten.

 

Baldrian

Schon in den Kräuterbüchern von Hieronimus Boch aus dem 16. Jahrhundert wird Baldrian im Zusammenhang mit Blähungen und Harnbeschwerden verwendet. Die Heilwirkung von Baldrian beruht auf einer Vielzahl unterschiedlichster Substanzen, die in der Wurzel und teilweise auch in den Blüten enthalten sind. Es sind etwa 150 chemische Wirkstoffe bekannt, von denen viele spezifisch physiologische Eigenschaften haben. Die hauptsächlichen Wirkstoffe des Baldrians sind die ätherischen Öle Valenol, Valeriansäure, Valerensäure, weitere Stoffe aus der Gruppe der Valepotriate sowie einige wenige Alkaloide. Neben der Wirkung auf Blase und Darm hat Baldrian hauptsächlich eine beruhigende und entspannende Wirkung. Diese Wirkung kann zu einer Verbesserung bei Inkontinenz führen.
Anwendung: Sofern Sie keine fertigen Tees oder Dragees verwenden wollen, können Sie einen Kaltauszug herstellen. Hierzu nehmen Sie zwei Teelöffel zerkleinerte Baldrianwurzel, die Sie mit einer Tasse kaltem Wasser übergießen. Lassen Sie dies etwa 12 Stunden lang stehen und geben das Ganze dann durch ein Sieb. Das Ergebnis auf Zimmertemperatur erwärmen und schluckweise trinken.

Birkenblätter

Die Birkenblätter (Betulae folium) besitzen eine harntreibende Wirkung. Sie werden als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege sowie bei Nierengrieß eingesetzt. Verantwortlich dafür sind die Flavonoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe bewirken, dass mehr Harn gebildet wird. Ein Tee aus Birkenblättern wird daher bei den ersten Anzeichen einer Blasenentzündung oder anderer Harnwegsinfektionen eingesetzt. Die harntreibende Wirkung nützt sowohl bei Infektionen wie auch bei Inkontinenz.
Anwendung: Zuerst werden zwei bis drei Gramm fein geschnittene Birkenblätter mit 150 ml heißem Wasser übergossen und nach 10 bis 15 Minuten durch ein Sieb abgegossen. Dies kann mehrmals täglich wiederholt werden, wobei der Tee warm getrunken werden sollte, um die Harnwegsbeschwerden oder den Nierengrieß zu behandeln. Die Tageshöchstdosis liegt bei 12 Gramm Birkenblätter.

Brennnessel

Kein Unkraut, sondern echtes Heilkraut. Ob frisch oder getrocknet: Ein Tee aus Brennnessel durchspült die Blase, indem er harntreibend wirkt. Das macht die heimische Heilpflanze zu einem perfekten Helfer gegen Blasenschwäche. In Brennnesselblättern befinden sich Flavonoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe wirken leicht wassertreibend. Das heißt, sie erhöhen die Harnausscheidung und durchspülen damit die ableitenden Harnwege (also Harnleiter, Blase und Harnröhre). Die Blätter können daher gegen eine aufkommende Blasenentzündung oder andere Harnwegsinfekte helfen.
Anwendung: Ein bis zwei Teelöffel Brennnesselwurzel mit 250 ml Wasser übergießen und etwa eine Minute aufkochen. Danach zehn Minuten stehen lassen und erst dann durch ein Sieb abgießen. Täglich ein bis drei Tassen des Tees trinken.

Bärentraubenblätter

Bärentraubenblätter reinigen die Harnwege und helfen so gegen Blasenschwäche aufgrund einer entzündlichen Reizung (z.B. Dranginkontinenz oder Überlaufblase). Auch bei einer Blasen- oder Nierenentzündung, können Bärentraubenblätter-Extrakte zu einer Besserung beitragen. Wirksame Inhaltstoffe in Bärentraubenblättern sind Phenolglycoside, große Mengen an Gerbstoffen, Flavonoide und organische Säuren. Das in den Blättern vorkommende Arbutin tötet im Harntrakt befindliche Bakterien ab und bekämpft und schützt vor einem infektiös-entzündlichen Geschehen. Da Bärentraubenblätter häufig mit anderen Naturheilmitteln kombiniert werden, lassen Sie sich bitte von einem Apotheker dahingehend beraten.
Anwendung: Bärentraubenblätter können sowohl als Tee oder als sogenannter Kaltauszug verwendet werden. Für den Tee nimmt man aus den getrockneten und klein geschnittenen oder grob pulverisierten Bärentraubenblättern 2,5 Gramm und übergießt sie mit ca. 150 ml siedend heißem Wasser. Nach 10 bis 15 Minuten gießt man das Ganze durch ein Sieb ab. Der Tee kann bis zu viermal täglich getrunken werden. Um das Ganze als Kaltauszug zu bekommen, nehmen Sie bitte 2,5 Gramm (ebenfalls getrocknet und klein geschnittene oder grob pulverisierte) Bärentraubenblätter und setzen Sie sie mit 150 ml kaltem Wasser an. Nach sechs bis 12 Stunden wird dieser Sud durch ein Sieb gegeben. Danach können Sie das Ergebnis erwärmen als Bärentraubenblättertee genießen.

Goldrute

Schon seit dem Mittelalter kennen die Menschen das Kraut der Goldrute als Heilmittel. Die Goldrute ist harntreibend und hemmt durch ihren hohen Gehalt an Flavonoiden und ätherischen Ölen das Bakterienwachstum. Sie wirkt daher besonders beruhigend und entzündungshemmend auf die Blase und das ist gut bei Dranginkontinenz. Auch wenn es sich um Naturheilmittel handelt, sollten Sie vorsichtig bei eingeschränkter Herz- oder Nierentätigkeit sein. Achtung: Durch die harntreibenden Effekte kann es zu Wassereinlagerungen kommen. Daher fragen Sie im Zweifel bitte ihren Arzt oder Apotheker.
Anwendung: Übergießen Sie 1 TL getrocknetes Goldrutenkraut mit 250 ml heißem Wasser, lassen es 10 Minuten ziehen und trinken dies schluckweise. Trinken Sie davon 2-3 Tassen pro Tag.

Hafer

Der grüne Hafer ist ein traditionelles Naturheilmittel zur Nervenstärkung. Er wirkt bei chronischer Blasenentzündung, bei Blasenschwäche während und nach den Wechseljahren und bei Reizblase. Außerdem kann der grüne Hafer auch beim prämenstruellen Syndrom und bei Schlafstörungen helfen. Seine Phytoöstrogene helfen Inkontinenz vorzubeugen. Der unscheinbare Hafer war 2017 Arzneipflanze des Jahres und kann ungeschrotet auch als Tee seine Wirkung entfalten. 
Anwendung: 1 EL getrocknetes Haferkraut in ein Teesieb geben, mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, etwa 20 Minuten ziehen lassen, dann das Teesieb entfernen und der Tee kann getrunken werden.

Kardamom

Kardamom zählt zu jenen Gewürzpflanzen, die es aus Asien bis nach Deutschland geschafft haben. Kardamom gehört zu den Ingwergewächsen. Im Gegensatz zum „echten“ Ingwer nutzt man hier aber nicht die Wurzel, sondern nur die Früchte und Samen, die Kardamom entwickelt. Kardamom enthält bis zu 7,5 % ätherische Öle, deren Hauptkomponenten sind Cineol, Terpineol und Limonen. Diesen ätherischen Ölen verdankt der Kardamom seine antientzündliche, entkrampfende, schmerzlindernde sowie antibakterielle und antimykotische Wirkung. Weitere Bestandteile des Kardamoms sind Öle wie Linolensäure, Ölsäure und Palmitinsäure. Neben 20–40 % Stärke und 10 % Protein kommen reichlich Eisen und Mangan vor. In der westlichen Pflanzenheilkunde wird Kardamom sowohl wegen seiner entblähenden als auch wegen seiner die Gallenbildung und -sekretion fördernden Wirkung eingesetzt. Zu seinen Eigenschaften zählen neben den oben genannten auch eine harntreibende Wirkung. Achtung: Sofern Sie unter Gallensteinen leiden, sollten Sie den Einsatz von Kardamom vorher mit einem Arzt oder Apotheker Ihres Vertrauens besprechen.

Anwendung: Kardamom kann als Tee konsumiert werden, wobei er häufig mit anderen Teesorten (Kräutertee oder schwarzer Tee) kombiniert wird. In Form von Kardamom-Pulver kann Kardamom auch in Speisen benutzt werden.

Kürbiskerne

Kürbiskerne enthalten viele wertvolle Inhaltsstoffe, Vitamine und Enzyme und sind daher ein bekanntes Hausmittel vor allem bei Reizblase und um auf die Prostata ihre positive Wirkung zu entfalten. Kürbiskerne liefern reichlich ungesättigte Fettsäuren (über 80 Prozent), Vitamin E und Beta-Carotin, sowie Magnesium, Eisen, Zink und Selen. Ihre wichtigsten Inhaltstoffe jedoch sind die Phytosterine, eine Gruppe von bioaktiven Inhaltstoffen, die Prostatabeschwerden und Blasenleiden bei Männern und Frauen vorbeugen bzw. lindern können.
Anwendung: 2 bis 3 EL Kürbiskerne – regelmäßig verzehrt – helfen schon bei Blasenleiden, indem sie die Muskulatur beruhigen. Grüne Kürbiskerne kann man einfach so zwischendurch knabbern, sie schmecken aber auch ausgezeichnet im Müsli oder auf Rohkostsalaten aller Art. Kürbiskernbrot und -brötchen sind ebenfalls zu empfehlen. 

Löwenzahn

Der heimische Löwenzahl ist nicht nur als Unkraut im Garten bekannt, sondern er ist vielmehr auch eine Heilpflanze, in der jede Menge für die Gesundheit steckt. Aufgrund der Bitterstoffe im Löwenzahn werden die Nieren und die Blase gestärkt. Da Löwenzahn außerdem reich an Kalium ist, wirkt er auch harntreibend. Daher sollte der Löwenzahn nicht direkt vor dem Zubettgehen angewendet werden.

Achtung: Darf nicht bei einem Darmverschluss oder Entzündung und Verschluss der Gallenwege angewendet werden. Da es zu Magenbeschwerden kommen kann, befragen Sie bitte vor Gebrauch Ihren Arzt oder Apotheker.

Anwendung als Tee: Ein bis zwei Teelöffel Löwenzahnkraut mit Wurzel mit 150 ml Wasser kurz aufkochen und nach ca. 15 Minuten durch ein Sieb abgießen. zweimal täglich morgens und abends über 4 bis 6 Wochen anwenden.

Petersilie

Petersilie hat sich über die Jahrhunderte neben der kulinarischen Eignung auch einen Namen als Heilpflanze gemacht. Zahlreiche Mineralstoffe wie Eisen, Zink, Kalium und Magnesium sowie die Vitamine A,B und C sind es, die Petersilie als gesundes Lebensmittel gelten lassen. Im Mittelalter galt die Petersilie als Heilkraut gegen Nasenbluten, gegen Magenbeschwerden sowie gegen Harnsteine.
Anwendung: Die moderne Homöopathie setzt Petersilie in Form von Globuli ein. Wenden Sie sich daher vertrauensvoll an Ihren Arzt oder Apotheker.

Schachtelhalm

Schachtelhalme gehören zu den ältesten Gefäßsporenpflanzen der Welt. Als pflanzliches Heilmittel blickt das Kraut auf eine lange Geschichte zurück: Bereits im Altertum wurden die blutstillenden und harntreibenden Effekte geschätzt. Der hohe Gehalt an Kalium regt die Nierentätigkeit an und fördert die Ausscheidung von Stoffwechselablagerungen. Dazu empfiehlt sich, täglich Ackerschachtelhalm-Tee zu trinken, auch bei Entzündungen von Niere, Harnleiter und Blase sowie bei Rheumatismus oder Gicht; Nieren- oder Blasensteine können ausgespült werden. Achtung: Da der Schachtelhalm schnell mit dem giftigen Sumpf-Schachtelhalm verwechselt werden kann, nicht selbst sammeln. Wenden Sie sich daher an den Apotheker Ihres Vertrauens.
Anwendung: 1 Teelöffel getrockneten und klein geschnittenen Ackerschachtelhalm pro Tasse, 5 bis 10 Minuten kochen lassen, nach weiteren 15 Minuten durch ein Sieb abgießen.

Wacholder

Wachholder oder Wachholderbeeren wirken entwässernd und werden daher bei Erkrankungen der Harnwege eingesetzt. Darüber hinaus wirkt Wacholder verdauungsfördernd. Die Heilpflanze Wacholder hat einen Nutzen, der gleichzeitig für bestimmte Personengruppen problematisch ist: Wacholder regt die Nieren an. Dieser Effekt ist bei einer Durchspülungsbehandlung gegen einfache Harnwegsinfekte gewünscht. Achtung. Bei Nierenerkrankungen würde die Gabe von Wacholder das Risiko für Komplikationen erhöhen. Daher befragen Sie unbedingt Ihren Arzt oder Apotheker, ob er die Nutzung von Wacholder empfiehlt.
Anwendung: 1 TL zerdrückte Wacholderbeeren mit 250 ml heißem Wasser übergießen und danach 10 Minuten ziehen lassen. Das Wasser abgießen und 3 Tassen täglich bei Harnwegsinfekten trinken. Im Rahmen einer Durchspülungstherapie mindestens 3 Liter zusätzliche Flüssigkeit trinken, beispielsweise Kräutertees, Saftschorlen oder Wasser.